08 Jan

„Häufig unbemerkt, aber doch so wichtig für das ganze Leben!“

Letztens war ich auf einem Geburtstag eingeladen. Unter den Gästen war auch ein 3,5 Monat altes Mädchen. Ich habe mich mit den Eltern unterhalten, die ich flüchtig kenne und natürlich auch einen Blick in den Kinderwagen geworfen. Anna war gerade aufgewacht und strahlte mich mit ihren Augen an. Die Kinder Physiotherapeutin in mir sah sofort eine leichte Asymmetrie.

Die Nase zeigt nicht gerade zur Decke, sondern der Kopf ist ein wenig nach rechts gedreht. Außerdem ist der Abstand vom linken Ohr zur linken Schulter kleiner als auf der rechten Seite. Anna hält Spielzeug mit der rechten Hand fest, links fällt es ihr deutlich schwerer. Auch bewegt sie das rechte Bein höher Richtung Schulter als das linke. Den Eltern ist die bevorzugte Seite von Anna noch nicht aufgefallen.

Eltern sind so verliebt in ihre Kinder, dass ihnen die bevorzugte Seite ihres Kindes oft nicht auffällt!

Als ich die Eltern darauf aufmerksam mache, gucken sie sich die Fotos von Anna auf dem Handy an. Und tatsächlich: Anna hat den Kopf auf fast allen Fotos ein kleines bisschen nach rechts gedreht und links geneigt.

Was ist daran so schlimm?

Diese kleine Asymmetrie kann Konsequenzen für das ganze Leben haben. In der Regel wachsen sich diese Asymmetrien nicht einfach aus. Auch wenn das immer wieder – sogar von Fachleuten – behauptet wird. In der Regel zieht sich die Asymmetrie durch die gesamte motorische Entwicklung und bietet damit für die weitere Entwicklung ein wackeliges Fundament.

Häufig zeigen diese Kinder kein wechselseitiges Robben, sondern ziehen sich mit Belastung auf einer Seite vorwärts, ihnen fällt die Überkreuzung der Mittellinie schwer, was zum Beispiel dazu führt, dass ihnen „das Schreiben lernen“ schwer fällt. Außerdem kann die Ausbildung der Lateralität (Seitigkeit) erschwert sein, wodurch sich die Ausbildung der Händigkeit, eines dominaten Auges und Ohres verzögert. Das widerum hat negative Auswirkungen auf das Schreiben und Rechnen lernen wie verschiedenste Forscher (A.Tomatis, Nancy E. ÒDell, P.A. Cook, Jean Ayres) betonen. Und genau das kann ich, aus meiner Erfahrung, ebenfalls bestätigen.

Wenn ich Grundschulkinder, die Schwierigkeiten in der Schule haben, begleite, stelle ich immer wieder fest, dass ihr Fundament wackelig ist. Sie sind nicht „dumm“, sondern ihre motorische Entwicklung bis zum freien Laufen war qualitativ nicht ausreichend. Am Boden zu rollen, ohne die Richtung zu verlieren, fällt ihnen häufig schwer, genauso wie das koordinierte Robben oder Krabbeln.

Es wäre für alle Kinder so viel leichter, wenn sie mit drei Monaten ihre Mitte gefunden hätten! Es lohnt sich also, früh zu einer erfahrenen Kinder-Physiotherapeutin zu gehen. Bei Babys reicht manchmal schon eine Behandlung aus, sonst sind wenige Behandlungen notwendig. Dadurch können jahrelange Ergotherapie im Kindergartenalter und Schulalter sowie Schulfrust verhindert werden.

Mit etwa drei Monaten sollte Ihr Baby seinen Kopf in der Mitte halten können!

 

Vielleicht gucken Sie Ihren Säugling nochmal genau an. Ist der Kopf wirklich in der Mitte? Oder ist er immer wieder ein kleines bisschen zur selben Seite gedreht? Ist der Abstand vom linken Ohr zur linken Schulter genauso groß wie auf der rechten Seite? Wenn Ihr Baby drei Monate oder älter ist und es den Kopf nicht in der Mitte halten kann, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Kinderarzt.

Sie möchten mehr über die kindliche Entwicklung und wie wir unsere Kinder bestens unterstützen können, erfahren? Hier geht es zum Leitfaden!

 

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