12 Feb

„Tränen lügen nicht“

Babys sind total süß. Sie haben einen großen Einfluss auf uns. Kommt so ein kleines Wesen in einen Raum, zieht es alle Blicke auf sich. Kaum jemand kann es ignorieren.

Babys können aber auch heftig weinen. Laut, ausdauernd und zu unmöglichen Zeiten. Die Eltern können es kaum ertragen, es zerreißt ihnen das Herz. Oft sind sie an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Obwohl sie alles versuchen, scheint das kleine Wesen einfach nicht zu beruhigen zu sein. Die Windel wird gewechselt, der Nucki in den Mund gesteckt, vielleicht hat das Kind doch Hunger? Also Brust auspacken, hm…. und dann ist der Hunger doch nicht der Grund. Der Vater trägt das Baby im Fliegergriff durch die Wohnung, der Föhn wird ausgepackt , genauso wie der Pezziball, um rhythmisch mit dem Baby zu wippen.

Eltern sind in völliger Verzweiflung sehr einfallsreich!

Oft führen aber all diese Versuche nur kurzfristig zum Erfolg und vor allem zu überlasteten Eltern. In der Praxis begegne ich häufig sehr fürsorglichen Eltern, die beim Weinen ihrer Babys in völligen Aktionismus verfallen. Viele berichten, dass sie sehr verunsichert sind und sich immer fragen, ob sie etwas falsch machen. Deshalb unternehmen sie noch mehr, werden hektisch und übertragen ihre Unsicherheit auf ihr Baby. Anstatt also das Kind durch die verschiedensten Maßnahmen zu beruhigen, wird es noch unruhiger – was transportiert wird, ist nicht die Aktion an sich, sondern das Gefühl, das damit einhergeht!

Das Baby weint – sind wir schlechte Eltern?

Es stimmt übrigens nicht, dass je schneller man sein Baby beruhigen kann, desto erfolgreicher  man als Eltern ist!

Wenn die Eltern akzeptieren können, dass Weinen zum Leben gehört und und ein Ausdrucksmittel ist, entspannt sich häufig die Situation. Weinen baut seelischen Stress ab. Wie soll ein Baby sich entspannen, wenn es seine Überforderung von den vielen Eindrücken dieser fremden Welt nicht ausdrücken darf und stattdessen einen Schnuller in den Mund gesteckt bekommt. Oder wenn es von seiner traumatischen Geburt nicht erzählen darf, sondern stattdessen mit einem Mobile abgelenkt wird.

Wichtig ist also, dem Baby zuzuhören, um zu verstehen, was es uns sagen will. Das braucht Ruhe und Zeit. Oft wird Eltern erst viel später klar, welch intensives Erlebnis die Schwangerschaft und die Geburt war – nicht nur für die Mutter, sondern auch für das Kind!  All das will verarbeitet werden. Es geht nicht darum, das Baby permanent zu beruhigen, sondern ihm Trost zu spenden. Es braucht unsere ganze Aufmerksamkeit, unser Verständnis für seinen Kummer, unsere Anteilnahme. So kann eine Mutter nichts daran ändern, dass die Schwangerschaft oder die Geburt schwierig war. Aber  die Mutter kann ihr Kind im Arm halten und sie können gemeinsam darüber trauen, dass es so war, wie es war.  Es geht darum, das Baby mit seinen unschönen Gefühlen zu begleiten, statt es abzulenken.

Das Kind in seinen Gefühlen ernst nehmen!

Vielleicht wiegen Sie Ihr Kind,  schauen ihm in die Augen und sagen  so etwas wie: “Ja, ich weiß, du hattest große Angst. Genau, es tut so gut, zu weinen.“

Statt: „Es ist alles gut“, „Es ist gar nicht schlimm“  (Ihr Baby würde nicht weinen, wenn es nicht schlimm wäre! Kein Kind weint, um seine Eltern zu ärgern) könnte man doch sagen „Puh… heute war wirklich ein anstrengender Tag. Jetzt verstehe ich, es war viel zu viel für dich. Gut, dass du mir sagst, dass es zuviel für dich war. Morgen gehen wir ganz lange spazieren. Das weiß ich schon, dass du das gerne magst!“

Wenn Ihr Baby sehr ausdauernd weint, sprechen Sie bitte mit Ihrem Kinderarzt! Protokollieren Sie die Schreiphasen. Das hilft dem Kinderarzt,  die Ursache zu finden.

Hier geht’s zum Leitfaden!

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