11 Mai

„Transport von Babys“

Frau Schmidt (Name geändert) kam vor einiger Zeit mit ihrer Tochter Anna (Name geändert) in meine Praxis. Anna ist vier Monate alt. Sie hat  in ihren ersten Lebenswochen viel geweint.  Der Arzt meint, es seien drei Monats Koliken. Frau Schmidt hat Anna deshalb viel getragen.

Das viele Weinen konnte sie kaum ertragen und auf ihrem Arm ging es Anna viel besser. Jetzt hat sich die Situation deutlich entspannt. Anna weint viel weniger. Frau Schmidt hatte schon vor der Schwangerschaft mit Anna, Probleme mit ihrer rechten Schulter. Das viele Tragen hat die Schmerzen von Frau Schmidt verschlimmert.

Nach meiner Behandlung fragt mich Frau Schmidt: „Was halten Sie eigentlich von den Untergestellen für die Autositze, die man jetzt immer mehr sieht? Die scheinen ja ganz praktisch zu sein? Anna wird ja immer schwerer und zusammen mit dem Autositz fällt es mir sehr schwer, sie zu tragen. Wie haben das die Eltern eigentlich früher gemacht?“

Ja, früher gab es gar keine Autositze, sondern die Kinder sind in den Kinderwagenaufsätzen  transportiert worden. Bei dem Verkehr heute natürlich keine gute Idee mehr. Gut, dass es die Autositze gibt!  So können Babys sicher transportiert werden.

Aus meiner Sicht sollten sie allerdings so wenig wie irgendmöglich benutzt werden. Beim Transport im Auto gibt es heute leider kaum Alternativen, als ein Baby im Sitzen zu transportieren. Es gibt einige wenige Hersteller, die Sicherungssysteme anbieten, bei denen das Baby liegend im Auto mitfahren kann.

Beim Crashtest schneiden die meisten Sicherungssysteme, in denen das Baby liegt , allerdings nicht so gut ab. Bei diesen Systemen wird die Babyschale quer auf dem Rücksitz befestigt. Der ADAC hebt den „Römer Baby Safe Sleeper“ hervor. Er hat die besten Testergebnisse beim Crashtest.

Es ist also ein fast notwendiges Übel, das Kind sitzend zu transportieren.

Aus meiner Sicht sehr ungünstig, besonders für alle Kinder, die sich noch nicht alleine aufsetzen können:

  •  die Muskulatur ist noch nicht ausreichend entwickelt, um die Wirbelsäule zu stabilisieren
  • häufig schlafen die Kinder im Auto ein und sie hängen völlig schief im Gurtsystem
  • die Babys haben kaum Bewegungsmöglichkeiten, die aber sehr entscheidend für die weitere Entwicklung sind
  • frühkindliche Reflexe werden verstärkt, statt überlagert

Gründe genug, um Ihr Baby so wenig, wie irgendwie möglich, in den Autositz zu setzen, oder?! Die Untergestelle für die Autositze verlängern die ungünstige Position für Ihr Baby. Im Kinderwagen kann es den Körper viel besser entdecken, es kann sich mehr bewegen, es ist vor den vielen Reizen von außen viel besser geschützt und die Wirbelsäule wird nicht belastet.  Ein Kind sollte, solange bis es sich alleine aufsetzen kann, möglichst liegend transportiert werden! Also auch nicht im Buggy.

Hier geht’s zum Leitfaden!

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